Wohin mit der Handtasche?

Eine Frage von Format. Und von Bodenbeschaffenheit.

Nicole Schlepphorst, ihres Zeichens Knigge-Trainerin, hat es kürzlich sehr freundlich, sehr korrekt und – man spürt es – aus der Praxis heraus erklärt:

Die Tasche gehört nicht auf den Tisch.
Wenn der Nebenstuhl frei ist: bitte dort.
Wenn nicht: auf den Boden.
Und wer das (verständlicherweise) nicht möchte, nimmt einen Taschenhaken mit.

So weit, so knigge-konform.

Und nun ich.

Auf den Tisch?
Nein. Wirklich nicht. Eine Handtasche ist kein Gedeckteil.

Auf den Boden?
Hier meldet sich mein inneres Ästhetik-Komitee. Böden sind – selbst in sehr guten Häusern – niemals das, was man „taschenwürdig“ nennen würde. Ich möchte meine Tasche tragen. Nicht später desinfizieren.

An den Stuhlrücken?
Mit einer weichen Schultertasche mag das gehen.
Mit einer Birkin eher nicht. Die Henkel sind zu kurz, das Modell zu präsent. Sie hängt dann nicht, sie ragt. Und zwar in meinen persönlichen Radius. Das wirkt weniger nach Grandezza, mehr nach unbeabsichtigter Rauminstallation.

Bleibt der Taschenhalter.
Eine prinzipiell kluge Idee. In der Praxis jedoch:

  • zu glatte Tischkante
  • keine gummierte Auflage
  • ein winziger Moment der Unachtsamkeit
  • und die Tasche hängt nicht mehr, sondern liegt

Ich werde nun – ganz im Vertrauen auf Nicole – das von ihr empfohlene Modell bestellen. Vielleicht gibt es ja doch diese seltene Verbindung aus Etikette und Ingenieurskunst.

Die eleganteste Lösung allerdings ist und bleibt:
Der Taschenstuhl.

Ich habe es mehrfach erlebt: Man betritt ein Restaurant, nicht mit einer MK-Alltagstasche, sondern mit etwas, sagen wir, substanzhaltigerem. Der Service erkennt das sofort. Und ohne großes Aufheben erscheint ein kleiner Stuhl. Oder ein zusätzlicher. Unaufgeregt, diskret, fast zärtlich neben dem eigenen Platz positioniert.

Das ist nicht Protz.
Das ist Respekt vor Eigentum – und vor der Dame.

Vielleicht ist genau das der Kern der Frage „Wohin mit der Handtasche?“
Es geht nicht um Möbel.
Es geht um Selbstverständnis.

Und bis ich meinen perfekten Taschenhaken gefunden habe, hoffe ich weiterhin auf geschultes Personal. Oder ausreichend Platz.

Im Zweifel: Ich nehme die Tasche auf den Schoß.
Nicht ideal. Aber sicher.


Info: Nicole Schlepphorst

Nicole Schlepphorst ist Knigge-Trainerin für moderne Umgangsformen (Lippstadt) und arbeitet mit Trainings und Workshops vor allem im Unternehmenskontext – von Mitarbeitenden bis Führungskräften.

Schwerpunkte sind unter anderem: erster Eindruck und Selbstpräsentation, Anrede und Begrüßung, wertschätzende (auch digitale) Kommunikation, Dresscode sowie Tisch- und Esskultur. Formate reichen von kurzen Skill-Sessions bis zu individuell abgestimmten Inhouse-Workshops.

Quelle: knigge-trainerin.de (Profil/Angebote/Impressum).


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Video mit freundlicher Genehmigung von Nicole Schlepphorst.

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