Liebeserklärung an das Revier

Eine Region mit Ecken und Kanten – und einem Herz, das größer ist,
als man ihm nachsagt.
Das Revier ist kein Postkartenmotiv.

Es ist Charakter. Substanz. Wärme.
Und genau deshalb liebe ich es.

Das Ruhrgebiet.

Liebevoll „Ruhrpott“ genannt – wobei viele von uns längst ein anderes Wort dafür bevorzugen: Revier.

Wir im Revier“ – da schwingt heute ein bisschen Stolz mit. Ein Stolz, der gereift ist. Denn: Wir konnten nicht nur Kohle. Wir können bis heute Stahl. Spezialstahl sogar. Das einfache Geschäft wurde outgesourct, ja. Aber das Komplexe, das Hochwertige, das bleibt hier. Und genau hier entsteht gerade etwas Zukunftsweisendes: Stahl, der nicht mehr im klassischen Hochofen beginnt, sondern in der neuen Direktreduktion mit Wasserstoff – jener Technologie, die unseren Stahl „grüner“ macht. DR-Stahl, wie ihn die Ingenieure nennen. Ein Revier-Produkt mit Perspektive.

Blick auf das Industriegelände von ThyssenKuppStahl – eine Optik, wie man sie vom Ruhrgebiet erwartet
Blick auf die Ruhr bei Hattingen

Und während Menschen oft denken, wir lebten zwischen Schloten, Halden und grauem Himmel, sieht die Wahrheit anders aus: überraschend grün, erstaunlich international, und mit einer Herzlichkeit, die man nicht verlernt.

Die Menschen

Die Bevölkerungsstruktur? Bunt. Wirklich bunt. Das Revier war schon zu Zeiten der Industrialisierung ein Schmelztiegel. Hierher kamen sie alle – die, die arbeiten wollten, die, die anpackten. Diese Mentalität ist geblieben: direkt, warm, offen.

Unternehmer bestätigen das bis heute: Die Menschen hier haben eine echte Willkommenskultur – und ein Herz aus Gold. (In anderen Regionen Deutschlands bleibt man auch nach 20 Jahren noch „der Zugezogene“… hier nicht.)

Die Sprache

Unsere Sprache? Kurz und knackig. „Dat“ und „watt“ gehören dazu, ja. Aber: Wir sprechen klar. Man versteht uns. Vielleicht ist das – zusammen mit vergleichsweise niedrigeren Löhnen – ein Grund, warum so viele Call-Center nach Duisburg und ins Revier gekommen sind.

Die Lebensqualität

Die hochpreisigen Einkaufsmöglichkeiten?
Nun – wir haben keine Maximilianstraße. Aber wir haben das CentrO, beliebt bei den Niederländern, genau wie der Duisburger Weihnachtsmarkt und das Spielcasino. Und wer oben im Casino-Restaurant „InnSide“ einmal gegessen hat, der weiß: Das Revier kann sehr wohl fein.

Kultur – reichlich, außergewöhnlich, ganz nah

Kultur ist hier keine Sonntagsveranstaltung, sondern Alltag. Von der Küppersmühle in Duisburg, einem baulichen Glücksfall mit Kraft und Leichtigkeit, über das Aalto-Theater in Essen bis zur Deutschen Oper am Rhein.

Und dann Wanne-Eickel – ein Name, der allein schon Poesie ist. Der Mondpalast dort ist Unterhaltung, die Herz, Witz und Bodenständigkeit verbindet.


Der Mondpalast von Wanne-Eickel
→ Deutschlands erfolgreichstes Volkstheater
→ Gegründet von Christian Stratmann
→ Seit 2004 feste Institution im Revier
→ Humor mit Heimat – ohne Klamauk
→ Kultstatus: Stücke über Liebe, Alltag & das pralle Leben im Pott


Orte, die wir selbstverständlich nutzen

Wir denken in diesem Revier nicht in engen Stadtgrenzen.
Wenn der Ruhri etwas unternehmen möchte, dann steigt er aufs Rad und fährt los. Die Route der Industriekultur umfasst heute rund 700 Kilometer Radwege – ein Netz, das fast poetisch die Geschichte des Reviers verbindet. Kanäle, Halden, Grünzüge, alte Fördergerüste, stille Seen: Man fährt durch Vergangenheit und Zukunft zugleich.

Man erlebt die Region mit einer Ruhe, die Außenstehende immer wieder überrascht.

Wasser – unser zweites Zuhause

Die Ruhr.
Der Rhein.
Die Häfen. Sie gehören dazu, natürlich.

Eine Hafenrundfahrt durch den größten Binnenhafen der Welt in Duisburg? Ein Erlebnis. Ich mache das jedes Jahr – und jedes Mal entdecke ich etwas Neues. Das Revier ist eben nie fertig. Es entwickelt sich, fast leise, aber konsequent.

Die Friedrich-Ebert-Brücke verbindet Duisburg-Ruhrort mit dem linksrheinischen Homberg

Duisburg – meine Heimat

Ich muss es sagen: Duisburg hat einen besonderen Platz in meinem Herzen. Nicht nur wegen der linksrheinischen Stadtteile, die uns neben dem Revier auch mit dem Niederrhein verbinden, sondern weil Duisburg in alle Richtungen offen ist.

Der Rhein ist hier keine Grenze.

Er verbindet.

Wir fahren nach Moers zum Einkaufen, genießen das Städtchen, den funktionierenden Einzelhandel – und das Modehaus BRAUN, ein Kapitel für sich. Der Duisburger an und für sich trifft sich auch gerne beim Wein, denn: Duisburg ist eine Weinstadt geworden, mit dem größten deutschen Weinfest. Oder im CityVinum – empfehlenswert!

Und natürlich der Landschaftspark Duisburg-Nord: Ein ehemaliges Stahlwerk, das heute nachts leuchtet. Die Lichtinstallation stammt von Jonathan Park – und macht aus Industriegeschichte eine Bühne.

Der Park ist immer geöffnet, frei zugänglich.

Wer das erste Mal nachts dort steht, weiß: Industrie kann schön sein. Wirklich schön.

Schlussgedanke

Das Revier ist keine Region, in die man fährt, um zu glänzen. Es ist eine Region, die von innen heraus glänzt – durch Menschen, Orte, Kultur, Geschichte und dieses unnachahmliche Gefühl von „komm’ rein, setz dich, fühl dich wohl“.

Vielleicht ist das der wahre Luxus hier: Das Echte. Das Ungekünstelte. Das Warmherzige.

Das, was bleibt.


Kultur-Highlights im Ruhrgebiet

Museen & Kunst
Museum Küppersmühle (Duisburg)
Museum Folkwang (Essen)
Lehmbruck Museum (Duisburg)
Gasometer / aktuelle Ausstellung (Oberhausen)
Kunstmuseum Bochum
Skulpturenpark Waldfrieden (Wuppertal – knapp außerhalb, aber relevant)

Bühnen & Theater
Aalto-Theater (Essen)
Deutsche Oper am Rhein (Düsseldorf/Duisburg)
Mondpalast von Wanne-Eickel
Theater Oberhausen
Schauspielhaus Bochum

Musicals & Shows
Starlight Express (Bochum) – seit Jahrzehnten ein Publikumsmagnet
GOP Varieté Essen

Orte voller Geschichte
Zeche Zollverein (UNESCO-Welterbe)
Landschaftspark Duisburg-Nord
Route der Industriekultur
Innenhafen Duisburg
Phoenix-West & Phoenix-See (Dortmund)



Alle Fotos: Canva

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